Wir erinnern an das Pogrom in Rostock-Lichtenhagen

Bei den Falken ist das Gedenken an rechten Terror und Nazigewalt schon lange Thema. Der Bundesverband beschäftigt sich seit längerer Zeit damit, zB mit den entsprechenden Ausgaben der „24 Stunden sind kein Tag“ (hier und hier) und dem Antifa-Gedenkcamp in diesem Jahr. Hier in MV hat uns das Thema in letzter Zeit mit Blick auf Nordkreuz, Utoya & München und rechten Terror beschäftigt.

Als Kreisverband Rostock beobachten wir das Gedenken an das Pogrom seit vielen Jahren aus verschiedenen Perspektiven und haben uns in unterschiedlicher Weise eingebracht. Wir unterstützen das Bündnis im Gedenken an das Pogrom und das Positionspapier des Bündnis.

Wir laden alle Gliederungen der Falken zum gemeinsamen Treffpunkt bei der Großdemo am 27. August in Rostock ein. Wir treffen uns in Lichtenhagen am Falken-Banner auf dem Parkplatz vor dem Sonnenblumenhaus. Den genauen Ort findet ihr am 27. August in unseren Insta-Stories.

Anlässlich des Gedenkens haben wir diese Aufkleber nachgedruckt. Schreibt uns auf Insta, wenn wir euch welche schicken sollen.

Unsere Perspektiven auf das Gedenken:

1. Die Angriffe in Rostock-Lichtenhagen waren ein Pogrom.

„Pogrom“ ist ein Begriff, mit dem viele junge Menschen erst einmal nichts anfangen können. Ein Begriff, den wir erklären müssen. Wir finden trotzdem, dass es wichtig ist, ihn zu benutzen, weil Wörter wie „Ausschreitungen“ und „Randale“ nicht korrekt beschreiben, was in Lichtenhagen passiert ist. „Ausschreitung“, „Randale“ – beides klingt als wäre es eine kopflose Aktion von wenigen Spinnern gewesen. Doch Lichtenhagen war angekündigt. Die Wochen und Monate vorher wurden fast jedes Wochenende Unterkünfte in ganz Deutschland angegriffen. In MV fiel im März 1992 sogar ein Mensch so einem Angriff zum Opfer, Dragomir Christinel. Politiker:innen hetzten viele Jahre vor Lichtenhagen gegen Asylsuchende und pflanzten so in die Köpfe der Menschen, dass Rassismus etwas normales sei. Doch Rassismus ist niemals normal und niemals entschuldbar.

Wir widersprechen auch der gängigen Beschreibung, das Pogrom in Rostock sei von „Jugendlichen“ [Randalierern] ausgegangen. Einige Menschen vor dem Sonnenblumenhaus waren sicherlich jugendlich. Doch wer die Täter:innen so beschreibt, macht die erwachsenen Täter:innen unsichtbar: Die Hetzer und Schreibtischtäterinnen in Parteien und Ämtern. Wer die Täter:innen als „jugendlich“ beschreibt, will den Eindruck erwecken die Gewalt wäre vergänglich. Als würde sie sich „auswachsen“. Doch das tut sie nicht. Denn Rassismus verschwindet nicht von selbst. Rassismus verschwindet nur, wenn wir ihn überwinden.

2. Die Perspektiven von Betroffenen stehen an erster Stelle.

Die Betroffenen des Pogroms sind heute Teil der Elterngeneration der meisten von uns derzeit aktiven Falken in MV. Im Verband kennen wir diejenigen Falken, die die 90er Jahre bewusst erlebt haben, als „Altfalken“. Wir hören ihre Erzählungen über die 90er Jahre und es sind hier in Rostock fast ausschließlich weiße Perspektiven. Es ist deswegen sehr wichtig und hilfreich für uns, dass verschiedene Gruppen aus Rostock derzeit Veranstaltungen organisieren, in denen Rassismus-Betroffene zu Wort kommen, zum Beispiel

3. Lichtenhagen war und ist kein Einzelfall.

Rassismus findet auf verschiedenen Ebenen statt. Es gibt ihn in der direkten Begegnung zwischen Menschen: In Beleidigungen, Abwertungen, Angriffen. Es gibt ihn auch auf struktureller Ebene, dort wo rassistische Vorstellungen sich zu unterschiedlichen Lebenschancen ansammeln. Rassismus gibt es leider auch in Gesetzen und Behörden (das nennt man institutionellen Rassismus). Wir halten es für besonders wichtig, dass diese letzte Form von Rassismus endlich verschwindet. Denn sie ist das Fundament, das den Rassismus in unserer Gesellschaft trägt.

Wir wollen einige Beispiele nennen:

4. Verstetigung und Nachhaltigkeit statt Symbolpolitik.

Für die meisten von uns aktiven Falken ist das Pogrom weit weg. Es hat lange vor unserer Geburt stattgefunden. Wir haben vor einigen Monaten begonnen uns damit zu beschäftigen und gemerkt: Der Blick in die Vergangenheit, bringt uns viele Dinge über die Gegenwart bei.

Als Aktive in einem linken Jugendverband ist uns bewusst, dass gesellschaftliche Veränderung nur möglich ist, wenn wir ein Ziel vor Augen haben und bereit sind lange dafür zu kämpfen.

Wir wollen eine Gesellschaft ohne Rassismus.
Wir sind bereit dafür zu kämpfen. So lange es nötig ist.

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