Redebeitrag: „Wir sind 25.000“

Am 16. Juli haben wir bei der Demo „Wir sind 25.000 – Rechte Netzwerke in Justiz, Polizei und Militär zerschlagen!“ in Güstrow einen Redebeitrag gehalten. Darin ging es darum, warum Faschos und Rechtsterroristen von Utøya über München bis Nordkreuz sich Jugendliche und fortschrittliche Jugendorganisationen als Ziele aussuchen. Lest hier den Beitrag.

Moin! Ich freue mich, dass ich heute hier für die Falken MV sprechen kann. Die Falken sagen euch vielleicht was: Wir sind ein bundesweit aktiver Kinder- und Jugendverband. Wir kommen aus der Arbeiter:innen-Bewegung, engagieren uns für linke Gesellschafts- und Sozialpolitik und begreifen uns als demokratisch-sozialistische Kinder- und Jugendorganisation.

Die Falken MV stehen heute hier mit einem Redebeitrag, weil wir vor etwa 4 Jahren erfahren haben, dass wir auf der Feindes- bzw. Todesliste von Nordkreuz standen. Wir standen da nicht als einziger Jugendverband. Auch andere Verbände und sogar Einzelpersonen, die in Jugendverbänden aktiv sind, waren dort aufgelistet. Dass wir auf dieser Liste stehen, hat uns schockiert – aber nicht gelähmt.

Denn, so bitter es klingt: Hier in MV sind rechte Gewalt und rechte Netzwerke Teil unseres Alltags. Hakenkreuze an der Schule, Thinghaus in der Nähe, Schwurbeldemo auf dem Dorf, Übergriffe durch Polizisten gegen Minderjährige. Wer hinkucken will, sieht wie sich die rechten Netzwerke durch das Bundesland und durch Institutionen vorarbeiten.

Auch rechter Terror umgibt uns seit Jahrzehnten. Spätestens seit den Attentaten in Oslo und Utoya sind wir als demokratisch-sozialistischer Jugendverband uns bewusst, dass wir mit unserem Ansichten Ziele von Faschos werden können. Am 22. Juli 2011 ermordete ein Rechtsterrorist auf Utoya 69 Menschen, fast die Hälfte von ihnen waren jünger als 18 Jahre. Wir können leider nicht alle ihre Namen hier nennen, ihr findet sie aber auf unserer Homepage. Diese 69 Genoss:innen waren auf der Insel Utoya, weil sie dort an einem Jugendcamp der norwegischen sozialdemokratischen Jugend, der AUF, teilnahmen.

Fünf Jahre nach diesem Anschlag erschoss ein Nazi in München 9 Menschen. GUILIANO KOLLMANN, SEVDA DA?, HÜSEY?N DAYICIK, SELÇUK KILIÇ, CAN LEYLA, ROBERTO RAFAEL, ARMELA SEGASHI, SABINE S. und DIJAMANT ZABËRGJA. Auch sie waren fast alle in unserem Alter. Sie starben an einem Ort, der bekannt dafür ist, dass Jugendliche dort ihre Freizeit verbringen, die selbst oder deren Familien eine Migrationsgeschichte haben. Der Täter lud vor dem Attentat sogar gezielt Menschen auf Facebook ein, zum Tatort zu kommen.

In 5 Tagen jähren sich diese beiden Anschläge zum 11. bzw. zum 6. Mal. Wir möchten euch bitten, schon hier und heute gemeinsam eine Minute schweigend an sie zu erinnern.

[Schweigeminute]

Warum suchen Rechtsterroristen – von Utoya über München bis Nordkreuz – sich Jugendliche und junge Menschen als Ziel aus?

Der Grund liegt in ihrer Ideologie. Sie verabscheuen alle, die fortschrittlich denken, alle, die für globale Solidarität einstehen und alle, die das Patriarchat zurückdrängen wollen.

Die Entscheidung Jugendliche zu ermorden, hat aber auch einen starken symbolischen Charakter. Die Genoss:innen auf Utoya und die Freund:innen in München sind stellvertretend für die Zukunft gestorben, die wir uns alle wünschen – und vor der Faschos auf der ganzen Welt Angst haben. Mit ihrem Terror versuchen sie uns einzuschüchtern und unsere Bewegungen zu schwächen. Sie versuchen, der Welt das Signal zu schicken: Es gibt keine Zukunft der globalen Einigkeit, Solidarität und Würde.

In der Wahl ihrer Mittel entlarven sie allerdings, wofür die Zukunft steht, die sie selbst – Faschisten auf dem ganzen Planeten – wollen: Eine Zukunft voll Tod, Unsicherheit für die arbeitenden Menschen, voll von Hass, Gewalt und Unterdrückung. Wir wollen das nicht. Wir wollen das Gegenteil.

Wir wollen eben eine Zukunft in Würde für die Menschen auf dieser Welt.
Wir wollen eine Zukunft, in der wir ein lebenswertes Leben haben.
Wir wollen die Sehnsucht nach Frieden und Glück stets global denken.

Es ist gut, dass ihr heute alle hier seid, denn viel zu oft wird Mecklenburg-Vorpommern im linken Diskurs bundesweit vergessen. Die Faschos vergessen den Nordosten dagegen nicht. Im Gegenteil: Sie nutzen die strukturschwache Region als Experimentierraum, Urlaubsort und Siedlungsraum. Nordkreuz ist ein weiteres Beispiel dafür, dem wir uns heute hier entgegenstellen.

Von linken Strukturen bundesweit wird leider auch oft vergessen, dass es hier vor Ort Menschen gibt, die sich jeden Tag auf die vielfältigsten Weisen für eine würdevolle, freie, glückliche und friedliche Zukunft einsetzen und sich dabei rechten Netzwerken entgegenstellen. Wir möchten den Anlass, deswegen auch nutzen, um euch zu sagen:

Es ist gut, dass ihr heute von bundesweit angereist seid, um eure Solidarität mit uns hier in MV zu zeigen.

Es ist genauso notwendig, dass ihr wiederkommt – zu den Anlässen und Aktionen, die Aktivisties hier vor Ort planen, zB die Kundgebung am 21. August in Schwerin und Horst, die Demo am 27. August in Lichtenhagen und und und.

Ich wünsche uns allen eine kraftvolle weitere Demo!
Für eine Zukunft in Würde und Freiheit für alle Menschen auf dieser Welt!
Hoch die internationale Solidarität!

Freundschaft statt Vaterland!

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