Hallo allerseits,
am gestrigen späten Abend kehrte ich von einem neuerlichen zweitägigen Treffen der (hauptamtlichen) Mitarbeiter der Landesjugendverbände heim. Regelmäßige Leser dieser Neuigkeiten wissen, solche Treffen laufen seit Anfang 2002 dreimal jährlich über den Landesjugendring und sind von mir bisher regelmäßig mit großer Freude und vielen Anregungen für die praktische Arbeit wahrgenommen worden.
Zwischenzeitlich wollte ich fast schon einmal aussetzen, weil natürlich die Arbeitszeit in der Summe nur begrenzt ist und die Möglichkeiten so vielfältig. Aber nachdem die Anregung des letzten Mitarbeitertreffens, nämlich nach Stettin zu fahren, Form annahm, meldete ich mich natürlich wieder an.
Unser Verband hat gerade in der letzten Zeit einige Versuche in östlicher Richtung unternommen, denken wir an das geplante Kinderzeltlager des Kreisverbandes Schwerin an der polnischen Ostseeküste, aber auch die beiden Sommerfahrten des Kreisverbandes Doberan nach St.Petersburg und Karelien und zuletzt die Studienfahrt des Landesverbandes nach Danzig. Im Osten sind Kooperationen unseres Verbandes noch lange nicht institutionalisiert und manche Wege noch wenig ausgetreten. Hier können wir viel mehr selber bestimmen, wie und mit wem wir diese unausgetretenenen Wege beschreiten. Von mir mal vier kleine Thesen, warum das für uns darüber hinaus sinnvoll ist:
1. Mit den (jungen) Menschen im Osten verbinden uns die betrüblichen Erfahrungen von Krieg, Verfolgung, Rassenwahn und Vertreibung und daher als Sozialisten der besondere Wunsch nach Kennenlernen, Versöhnung, gegenseitigen und gemeinsamen Perspektiven.
2. Mit den (jungen) Menschen im Osten verbindet uns die Erfahrung der kommunistischen Diktatur und daher als Sozialisten die besondere Sensibilität gegen Tendenzen zur Bevormundung und gegen Tendenzen der Verharmlosung von Unfreiheit.
3. Mit den (jungen) Menschen im Osten verbindet uns der enorme gesellschaftliche Wandel der letzten Jahre und eine erbarmungslose Ökonomisierung aller Lebensbereiche. Während in MV westdeutsche Gesellschaftsmuster kopiert und fraglos übergestülpt wurden, mußten und konnten in Osteuropa zumindest teilweise ganz eigene Wege bestritten werden.
4. Wenn wir unseren Blick nach Westen richten, werden wir dort weiterhin vorgefertigte Antworten und Deutungsmuster der westdeutschen Verbandsvergangenheit bekommen. Sind das die für uns (und die Ziele des Verbandes/heute noch) passenden? Lernen können wir wohl mehr im Osten und von uns selber.
Doch zurück zu unserem Mitarbeitertreffen. Wie stets genoß ich die kabarettische Gesinnung der Gruppe, manche Kleindarstellungen und vor allem Teil des Ensembles zu sein, sowohl menschlich wie fachlich. Ich hoffe, die polnische “Seite” konnte den gleichen Eindruck wahrnehmen. Nachdem die Hochoffiziellen den Raum verließen war zumindest einige Gelegenheit. Hervorragend zur Verständigung trug unsere Sprachmmittlerin Justyna bei. Ein übriges gelang durch Spiele und englische Versuche. Alle hatten Gelegenheit sich vorzustellen (natürlich erst einmal nur relativ oberflächlich) und aufeinander zuzugehen. Ich bin gespannt, was sich daraus konkret ergeben wird. Ich zumindest nehme eine Menge Assoziationen und Ideen mit. Dem Landesvorstand werde ich einige kurz- und mittelfristige Vorschläge machen können und mal sehen, was sich gemeinsam beginnen läßt. Meldet unabhängig davon Eure eigenen Interessen an.
Thomas